Neue Hoffnung für Menschen mit Stuhl- und Harninkontinenz durch die Sakralnervenstimulation SNS

Arztgespräch
Stuhl- und Harnhalteschwäche sind weiterhin Tabuthemen obwohl die Deutsche Gesellschaft für Kontinenz weitreichende Aufklärungsarbeit geleistet hat. Häufig münden diese Erkrankungen in einer völligen Isolation, da die Betroffenen sich kaum noch aus dem Haus trauen („Inkontinenz tötet nicht, aber sie kostet das Leben“) Dabei kann den meisten Patienten heutzutage gut geholfen werden.

Die weibliche Harninkontinenz wird von der gynäkologischen Abteilung, die Stuhlinkontinenz von der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie durch besonders geschulte Ärzte behandelt. Oberarzt Dr. H. Reinhold ist als Facharzt für Gynäkolgie der Ansprechpartner für die weibliche Harninkontinenz, Oberarzt Dr. J. Strandborg betreut als Facharzt für Allgemeinchirurgie und Proktologie Patienten mit Stuhlproblemen. Beide sind als Berater der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifiziert. Häufig besteht eine kombinierte Stuhl- und Harninkontinenz, sodass die Abteilungen im Rahmen eines Beckenbodenzentrums eng zusammenarbeiten.

Die Inkontinenz betrifft häufig ältere Frauen, die mehrere Kinder zur Welt gebracht haben. Aber auch nach Voroperationen im Becken, am Beckenboden, am Schließmuskel und dem Enddarm kann es, wenn auch heutzutage sehr selten, zur Harn- und Stuhlinkontinenz kommen.

Zur Entscheidung über das richtige Therapieverfahren ist in der Regel eine umfangreiche Diagnostik notwendig. Bei der Stuhlinkontinenz bieten neben der Funktionsprüfung des Darmschließmuskels (Anometrie) die Endoskopie (Spiegelung des End- und Dickdarms) und die Radiologie (dynamische Kernspintomografie des Beckenbodens (MRT) und Defäkografie) wichtige Entscheidungshilfen. Hier können wir mit modernster Technik eine genaue Darstellung des Beckenbodens und seiner Funktionen erzielen. Bei der Ultraschalluntersuchung des Schließmuskels (Endosonografie) können Schäden am Schließmuskel direkt festgestellt werden. Die Ursachenforschung der Harninkontinenz wird mittels urodynamischer und gynäkologischer Untersuchungen durchgeführt.

Neben operativen Maßnahmen, die an letzter Stelle der Behandlung stehen, kann in vielen Fällen über speziell geschultes Personal mittels eines speziellen Beckenbodentrainings (z.B. Biofeedback conditioning) und spezielle Krankengymnastikdie Funktion des Beckenbodens verbessert werden. Aber auch Medikamente können insbesondere bei der Harninkontinenz Heilung bringen.

Nur bei 10 % aller Patienten ist zur Therapie dieser Erkrankungen eine Operation notwendig.

 
Rücken
Die Stuhlinkontinenz kann im wesentlichen mittels zweier Operationsverfahren behandelt werden. Bei großen Schließmuskeldefekten kommt nur eine operative Rekonstruktion in Frage. Bei kleineren Schließmuskeldefekten und nicht geklärter Inkontinenzursache, aber auch neurologischen Erkrankungen z.B. der Multiplen Sklerose oder Querschnittslähmung kommt ein modernes, aber auch sehr teures Verfahren, die Sakrale Nervenstimulation, in Frage. Dieses Operationsverfahren können wir auch bei einer speziellen Form der Harninkontinenz, der sogenannten Drang- oder Urge-Inkontinenz, wenn Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden, anwenden.

Ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher wird der Schließmuskel künstlich mit Nervenreizen versorgt. Seit Anfang des Jahres kann dieses schonende Verfahren in Aurich ohne besondere Kostenzusage durch die Krankenkassen eingesetzt werden. Hierbei sind zwei kleinere operative Eingriffe erforderlich. Im ersten Schritt wird im Rahmen eines kurzstationären Aufenthaltes eine Testelektrode im Bereich des Kreuzbeines implantiert. In den folgenden 3 Wochen wird der Schrittmacher von außen für den Patienten optimal eingestellt. Gelegentlich zeigt der Schrittmacher keine Wirkung, sodass die Elektrode dann einfach wieder herausgezogen werden kann. Bei Verbesserung der Symptomatik wird die Testelektrode in einem zweiten kleinen Eingriff durch eine permanente Elektrode ersetzt und das Schrittmacheraggregat im Gesäßbereich unter der Haut versenkt. Etwa 70% der Patienten können mit diesem risikoarmen Verfahren erfolgreich behandelt werden.

Für weitergehende Informationen öffnen Sie bitte den Vortrag zur Stuhlinkontinenz !